Nach dem 25 jährigen Gründungsfest des MVT gingen die Musikanten ideell und finanziell gestärkt in die nächste Periode ihres Wirkens. Eine bedeutende Entscheidung des Vereins für die geldliche Zukunft war die Anlage des Festgewinnes in ein eigenes Festzelt. Unter der Federführung des damaligen 1. Vorsitzenden Hilmar Scholl wurde der heutige Kernteil der Zeltkonstruktion gekauft und hat sich bis dato mit all seinen Anbauten bestens bewährt. Waren früher die Gartenfeste ein Vabanquespiel mit dem Wetter, so hatte man sich jetzt eine Basis geschaffen, um die vielfältigen Aufgaben des Vereins finanziell besser planen zu können.

In dieser Zeit wurden auch in Zusammenarbeit von H. Scholl und W. Zöller die Weichen für eine moderne Vereinsführung gestellt. Es wurde eine aktuelle Satzung erarbeitet und 1980 damit die Gemeinnützigkeit des Vereins erworben. Gleichzeitig wurde der Verein in diesem Jahr beim Registergericht als eingetragener Verein (e. V. ) registriert.    

Generell war das Jahr 1980 für den Musikverein ein richtungsweisendes Jahr. Längst waren jugendliche Musiker in die Bewältigung der Vereinsaufgaben integriert, wogegen sich diese Musikerfraktion in der Darstellung des Vereins noch nicht abgebildet sah. Mit der Generalversammlung in diesem Jahr hat jedoch der Strukturwandel zum heutigen MVT begonnen. Am 25. Juli 1980 hat Walter Zöller den Dirigentenstab von Karl Wolf übernommen und am 29. Januar 1982 folgte Theo Wießler dem heutigen Ehrenvorsitzenden Hilmar Scholl als 1. Vorsitzender. Wießler und Zöller sind die beiden Führungspersonen, welche den Verein nunmehr seit über 20 Jahren erfolgreich führen und zu dem hin entwickelt haben, was man nach Außen präsentieren kann.    

Um die Kapelle zu verstärken wurde die Jugendausbildung intensiviert. Ziel war es, an möglichst vielen Registern mit eigenen Musikern die Ausbildung zu betreiben. Für das hohe Blech haben sich dabei Theo Wießler und Walter Zöller bereitgestellt und in wöchentlichen Unterrichtsstunden den vielen Auszubildenden die Grundlagen der Blasmusik beigebracht. Im Holzsatz hatte unser ehemaliger Dirigent Karl Wolf und später Jürgen Spall diese Aufgabe übernommen. Im tiefen Blech taten sich Hilmar Scholl und unser ehemaliger Aktiver Hubert Haydn hervor. Dass man dabei auch viele Talente kommen und gehen sah, ist natürlich. Ziel der Ausbildungsmaßnahmen war es, die Jungmusiker zum Ablegen der Leistungsprüfungen D1 (Bronze) bis D3 (Gold) zu entwickeln. Diese Maßnahmen wurden zusammen mit dem damaligen Musikverband Untermain und dem Nordbayerischen Musikbund durchgeführt. Über diese Schiene haben wir uns Jugendliche herangezogen, welche auch zukünftig die Ausbildung beim MVT sicherstellen sollen. Beispielhaft seien hier die fünf Goldleistungsträger unseres Vereins aufgeführt, welche zwischenzeitlich teilweise die Musik als Beruf ausüben:

  • Robert Bartolie (Klarinette)
  • Karin Amrhein (Klarinette)
  • Tim Zöller (Trompete)
  • Anke Zöller (Klarinette)
  • Dominik Giegerich (Euphonium)

Ein weiterer Schwerpunkt in der musikalischen Ausbildung haben wir mit dem „Spiel in kleinen Gruppen“ oder dem Solospiel gesetzt. Gefördert wird hierbei die eigene Verantwortung für eine Stimme und die Fähigkeit, das Instument mit einer reinen Intonation zu beherrschen. Immer wieder haben sich dabei Holz- wie auch Blechbläserensembles des Musikvereins in und um Trennfurt bewährt und auszeichnen können.  

Mehrmals beteiligten sich die Gruppen der Kapelle an den Wettbewerben zum Jugendkulturpreis des Landkreises Miltenberg sowie „Solo/Duo-Wettbwerb“ oder „Spiel in kleinen Gruppen (3-15 Bläser)“ des Bayerischen Blasmusikverbandes.

Herausragende Erfolge:

Jugendkulturpreis des Landkreises Miltenberg

  • 1980   Doppelquartett - Ehrenmünze
  • 1996   Klarinetten-Trio (K. Steffan, S. Wießler, A. Zöller) - Ehrenmünze
  • 2000   Klarinetten-Trio (K. Steffan, S. Wießler, A. Zöller) - 2. Preis

Solo/Duo-Wettbewerb und Spiel in kleinen Gruppen des Bayerischen Blasmusikverbandes

  • 1999    Klarinetten-Duo (K. Steffan, A. Zöller) - Landesentscheid - 1.Rang mit Auszeichnung in Ingolstadt
  • 2000   Klarinetten-Trio (K. Steffan, S. Wießler, A. Zöller) - Landesentscheid - 1.Rang mit Auszeichnung in Bamberg
  • 2002   Klarinetten-Duo (F. Rohleder, K. Ühlein)

Neben der Einzelausbildung werden die Jugendlichen auch in einer separaten Jugend-Musikprobe am Freitagabend um 19.00 Uhr an das Programm der Aktivenkapelle herangeführt. Stets war es in Trennfurt Tradition gewesen, die drei Blasmusikzweige der Kirchen-, Unterhaltungs- und Konzertmusik zu bespielen. Um dabei immer wieder den musikalischen Standort zu bestimmen, ist es Ziel unseres Dirigenten Walter Zöller in regelmäßigen Abschnitten sich einem Wertungsspiel zu stellen. Sowohl innerhalb des Musikverbandes Untermain, des Nordbayerischen Musikbundes und zuletzt auch des Bundes Deutscher Blasmusikverbände stellte man sich dem Wertungsgericht und erzielte dabei folgende Ergebnisse:  

  • 1977                Wertungsspiel in Trennfurt - 1. Rang
  • 1979                Musikantenwettstreit in Mönchberg - 3. Rang
  • 1981                Bezirksmusikfest in Mömmlingen - 1. Rang
  • 1984                Wertungsspiel in Eisenbach - 1. Rang mit Belobigung
  • 1985                Wertungsspiel in Erlenbach - 1. Rang mit Belobigung
  • 1987                Wertungsspiel in Großheubach - 1. Rang mit Belobigung
  • 1995                Wertungsspiel in Großheubach - 1. Rang mit Belobigung
  • 1997                Bezirksmusikfest in Wildflecken - 1. Rang
  • 1998                Bezirksmusikfest in Sulzbach - 1. Rang mit Belobigung
  • 2000                Bezirksmusikfest in Rannungen - Sehr gut
  • 2001                Deutsches Musikfest in Friedrichshafen - Sehr gut

Basierend auf derart erreichtem war es natürlich selbstverständlich, alljährliche Konzerte oder Volksmusikveranstaltungen abzuhalten. Das jeweilige Frühjahrskonzert, die Volksmusikabende mit vielen interessanten kleineren Musikgruppen bis zu Sepp und Lois aus dem Bayerischen Wald haben das Trennfurter Publikum stets bestens unterhalten. In diesem Zusammenhang sind auch die beiden Großkonzerte in Verbindung mit der Stadt Klingenberg in der Dreifach-Turnhalle zu nennen. Die drei Musikkapellen aus Klingenberg, Röllfeld und Trennfurt haben dabei gemeinsam 1989 und 1995 vor jeweils ca. 500 Zuhörern zugunsten der Lebenshilfe aufgespielt.

Um die vielfältigen musikalischen Aufgaben bewältigen zu können, bedarf es natürlich auch einer finanziellen Ausstattung. Diese verschafft sich der Verein durch das alljährlich am zweiten Juli-Wochenende stattfindende Musikwerbefest auf den Obstbaumwiesen am Ende der Ankergasse. Im örtlichen Sprachgebrauch ist dieses am gesamten Untermain bekannte Blasmusikerlebnis auch bekannt unter dem Namen „Gartenfest“. Hierbei stehen jeweils die gesamte Musikerschar, passiven Mitglieder und weitere Freunde des Vereins in jedem Jahr zusammen und organisieren für drei Tage ein Fest unter dem Motto „Gut Essen, Trinken und Blasmusikhören“. Der MVT wird dabei von befreundeten Musikkapellen besucht, welche ein abwechslungsreiches Blasmusikrepertoire darbieten. In den letzten Jahren hat sich noch ein allseits beliebtes Traktoren- und Oldtimer-Treffen dazugesellt, welches beim Publikum sehr beliebt ist.  

Hinsichtlich der unterhaltenden Musik haben die Trennfurter Musikanten schon lange Zeit einen guten Namen. Mit einem Repertoire von Ernst Mosch bis zu James Last, von der traditionellen Polka und dem Walzer bis zum modernen Big Band Sound kann die Musikgruppe mit allen Melodien für Stimmung sorgen. Seien es die traditionellen Musikfeste im Umkreis, das Winzerfest in Klingenberg oder auch andere Veranstaltungen im Landkreis und nahen Umland, die Trennfurter waren schon in vielen Ortschaften musikalisch tätig. Dazu kam noch, dass man in den Jahren 1978 – 1992 eine begehrte Sitzungskapelle war. Vorrangig in der Trennfurter Narrhalla war man zu Hause aber auch in Obernburg war man eine gerne gehörte Kapelle.  

Die bauliche Bewältigung derartiger Veranstaltungen obliegt der Organisation unseres Bauausschusses im Verein. Das Team um den zweiten Vorsitzenden Elmar Ühlein mit seinen Mitstreitern Albin Faht, Norbert Strobel, Axel Ühlein und Ernst, Reiner und Udo Zöller, welche hier beispielhaft erwähnt sind, schafft es immer wieder, die unterschiedlichsten baulichen Herausforderungen zu erledigen. Sie führen damit die Arbeiten in dem Stile fort, wie sie das allzeit agile Vorstandsmitglied Eugen Zöller in den 60er und 70er Jahren begonnen hatte.  

Auf diese Einheit und die gesamte Musikertruppe kann der Verein stolz sein, wenn man auf die Erbauung des Proberaumes zurückblickt. Nachdem man seit den siebziger Jahren im Filmsaal der Dr.-Konrad-Wiegand-Hauptschule proben konnte, wurde für uns die Benutzung dieses Raumes aufgrund des Umbaues zur Schulküche ab 1986 unmöglich. Seitens der Stadtverwaltung wurde uns nur die Möglichkeit auf dem Schulhausflur angeboten. Dieser Probeort war natürlich völlig ungeeignet. Sowohl von der Akustik her als auch wegen der Zugluft blieben immer mehr Musiker der Probe fern. Der Verein mußte handeln. Offensichtlich hat auch die Demonstration während des Faschingsumzuges 1988 in Trennfurt einen Teil dazu beigetragen, dass schon bald der Umbau des Kellerraumes im alten Schultrakt begonnen werden konnte. Ohne Blasmusik, aber bestückt mit knatternden Rasenmähern und Ballspiel in die Tuba als Basketballkorb, wurde auf die mißliche Situation aufmerksam gemacht. Nach völliger Entkernung des Raumes wurde über mehrere Monate hinweg an Wochenenden und Abenden der Ausbau des Raumes mit einer schalldämmenden Decke und Holzverkleidung an den Wänden gemeistert. Dank der als Schreiner ausgebildeten Musiker ist ein Musikdomizil entstanden, um welches man uns oft schon beneidet hat. Nachdem der Proberaum am 27. Mai 1989 von den Pfarrern Schwarzkopf und Amarell eingeweiht wurde, ist in dieser Atmosphäre es sowohl für die Aktiven wie auch Jugendlichen möglich, ein konstruktives Musikumfeld zu bilden.  

Neben der Musik verstehen sich die Trennfurter Musikanten auch noch außermusikalisch zu betätigen. In Form von Gemeinschaftserlebnissen wird das Wir-Gefühl gestärkt. Am spannendsten und interessantesten sind dabei die im zweijährigen Rhythmus stattfindenden Ausflüge an Pfingsten, welche uns schon des öfteren zu den unterschiedlichsten Zielen in Süddeutschland, Österreich und Italien geführt haben. Eschlkam, Bad Goisern, Innichen, Inzell,St. Johann, Hindelang usw. sind Stationen, an denen sich die Trennfurter sehen und hören lassen konnten, wie auch wohlfühlten. Zeltlager und Grillfeste an der Schutzhütte oder Fischessen, spendiert vom ehemaligen Musikkollegen Manfred Jagomast, sind weitere Highlights in dieser Veranstaltungskette. Auch sportlich hatte man sich früher betätigt und dazu sehr erfolgreich. Wer erinnert sich nicht an das Fußball-Ortsmeisterschafts-Endspiel von 1992, als wir mit unserer eigenen Blasmusik einzogen, mit Karin Amrhein eine Frauenspielerin dabei hatten und zuletzt als der strahlende Sieger vom Platz gingen.            

Hoffen wir, dass all diese Tätigkeiten und Gegebenheiten es auch in der Zukunft erlauben, mit einer schlagkräftigen Mannschaft im Stadtteil Trennfurt Blasmusik auf gehobenem Niveau bieten zu können.  

 

Walter Zöller