Es ist ist eine sehr akribische Aufgabe, die Historie der Blasmusik in Trennfurt zu ergründen.

Bei den Unterlagen der ehemaligen Gemeinde Trennfurt, später Stadt Klingenberg, war das Ergebnis niederschmetternd. Wesentlich besser war das Pfarrarchiv der Pfarrei Trennfurt, aus dem die meisten Daten entnommen werden konnten, die in mühevoller Kleinarbeit zusammengetragen wurden.

Aus dem Jahre 1864 wurde ein Vertrag gefunden, abgeschlossen zwischen der Kirchengemeinde St. Maria Magdalena und der Marktgemeinde Trennfurt, über die Beschaffung von Noten und Musikinstrumenten für die Kirchenmusik, genehmigt vom Landratsamt Obernburg. Mit diesem Schriftstück konnte der Beginn der Blasmusik in Trennfurt dokumentiert werden, was im Jahre 2002 zur Auszeichnung mit der PRO MUSICA-Plakette für über 100 Jahre Blasmusik führte.

In einer alten Kirchenrechnung aus dem Jahre 1886 stehen Ausgaben für Reparaturen an Blasinstrumenten. Ab 1890 erscheint dann jedes Jahr bis 1919 der konstante Betrag von 25,71 RM für Kirchenmusik. 1920 brachte eine Lehrerin einen Satz Noten vom Musikverlag Baunach aus Würzburg mit, die bis 1954 benutzt wurden.

Aus dem Jahre 1921 konnte aus Privatbesitz ein altes Foto ausgegraben werden, das die damaligen Akteure zeigt.

 

Trennfurter Blasmusik

 

 

Es sind Emil Wöber, Anton Reinhard, Hugo Kuhn, Karl Wöber, Fritz Wolf, Otto Wöber und ein weiterer Musiker zu sehen, dessen Name nicht ausfindig zu machen war. Ab 1920 hat dann die politische Gemeinde die jährliche Entschädigung für die Kirchenmusik übernommen. Bei dieser Auflistung sind noch zwei Familien zu erwähnen, wovon besonders die erstere für die Ausbildung der Musiker und überhaupt für die Entwicklung der Musik in Trennfurt zuständig war: Anton Reinhard und sein Sohn Eduard sowie Hugo Kuhn, ein ehemaliger Militärmusiker.

Selbst in den Jahren des zweiten Weltkrieges wurden die Prozessionen stets von der Blasmusik begleitet. Die Nachbargemeinden haben sich gegenseitig ausgeholfen. In den dreißiger Jahren kamen neue Namen dazu. Die Alten hatten aufgehört oder waren verstorben. Die Kirchenmusik war bis in die Gründungsjahre des Musikvereins mit folgenden Bläsern besetzt: Eduard Reinhard, Florian Reinhard, Karl Berres, Karl Elbert, Karl Ludwig Ühlein, Burkard Berninger, Julius Wetzel, Ewald Rohleder und Otto Abb II. Vier der vorgenannten Personen musizierten noch einige Jahre in der neuen Kapelle mit.

In Bezug auf die Kirchenmusik gilt noch zu erwähnen, dass die heutige Prozession an Christi Himmelfahrt die damalige Urbanusprozession ersetzt. In Trennfurt wurde bis zur Jahrhundertwende 1900 sehr viel Wein angebaut. Sie wurde nachmittags abgehalten und führte über den 1. Wengertsweg Richtung Laudenbach bis zum Beginn des Waldes und von dort in einer Rutsche zur jetzigen B 469, die damals nur geschottert war. Kein Wunder, dass man schon damals sehr inbrünstig das Marienlied mit dem Schlusssatz „Maria, hilf uns all, in diesem Jammertal“ geblasen und gesungen hat.

Mit dem Jahre 1952 ging eine Ära zu Ende, die für die Musik zwar oft beschwerlich, aber etwas gemütlicher war. Trotzdem erforderten die alltäglichen Rahmenbedingungen viel Idealismus.


Hilmar Scholl